Equipment-Checkliste für die schönsten Hochzeitsfotos

Morgen Leute, so einen Blogartikel habe ich noch niemals geschrieben da ich generell von diesem Technikgehype der Fotografen-Community nichts halte. Technik interessiert mich auch nicht wirklich, sie ist nur Mittel zum Zweck. Trotzdem kriege ich oft Emails mit Fragen über dies und das, was ich denn so auf Hochzeiten für Equipment nutze, wie ich Licht mache und und und… Deshalb mein erster Artikel über „Was ist in deiner Tasche, Ondro?„.

Zuallererst: ich habe im Moment eine richtig hässliche Fototasche mit einem Farbkleks den ich leider nicht mehr wegkriege 🙁 … ich schäme mich richtig wenn ich damit auftauche und würde am liebsten im Boden versinken. Aber am Ende des Horizonts bahnt sich schon eine neue besondere Fototasche an, mit 2-Karat Diamant und so hehe.

Deine Equipmentliste für die nächste Hochzeit

 

Die Hochzeits-Kamera: NIKON D4

In meiner hässlichen, speckigen Fototasche mit Farbklecks befinden sich erst mal zwei Kameras. Meine Hauptkamera ist eine NIKON D4 und meine kleine Ersatzkamera ist eine OLYMPUS OMD EM-5. Es ist immer wichtig zwei Kameras dabei zu haben, falls mal eine ausfällt. Aber ich denke sowas muss ich Hochzeitsfotografen nicht erzählen, obwohl manchen schon. Auf jeden Fall fotografiere ich hauptsächlich mit der D4, die Kamera liegt super in der Hand, hat einen Autofokus der mit den richtigen Objektiven besser trifft als der „Rote Baron“ und weil die ISO-Performance jenseits von Gut und Böse ist. Ich liebe meine Kamera. Sie hat schon viele Orte dieser Welt gesehen und vielen Stars & Sternchen die Hand geschüttelt. Achtung: die originale ONDRO NIKON D4 nur mit kleinem Hèrmes Bändchen an der Seite!

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Das perfekte Objektiv: NIKKOR 24-70mm/2.8

Das 24-70/2.8 ist ein tolles Objektiv. Allzeit bereit und für nahezu 100% aller fotografischen Situationen zu gebrauchen. Man könnte damit eigentlich auch die ganze Hochzeit fotografieren, da sie einen sehr guten Autofokus hat, eine brauchbare Anfangsblende und über den ganzen Bildbereich insgesamt ein scharfes Bild verfügt. Natürlich kann man mit den Looks, gerade was das Bokeh betrifft nicht wirklich variieren, da F2,8 einfach schon zu hoch sind, aber durch die Bank weg kann man mit dieser Linse nichts falsch machen. Auch als ungeübter Fotograf. Vielleicht sollte ich das echt mal versuchen eine ganze Hochzeit dieser Linse zu fotografieren. Im ersten Moment mag das etwas eigenartig erscheinen, aber ich vertrete ja immer die These dass wenn man nur wenig Equipment zur Verfügung hat auch, dann auch wesentlich kreativer damit umgeht. Ich glaube ich würde damit Möglichkeiten mit dem 24-70 erkennen die ich vorher gar nicht so auf meinem Schirm waren. Hm… Die Hochzeitssaison fängt ja bald an. Ich mach das einfach mal und berichte dann über meine Erfahrungen hier im Blog.

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Beispielbilder mit dem Nikkor 24-70mm/2.8: Hochzeitsfotograf-Equipment-02 Hochzeitsfotograf-Equipment-05

 

NIKKOR 50mm/1.4G

Das 50mm/1.4 G mag ich nicht so sehr. Obwohl, die Brennweite kombiniert mit der sehr niedrigen Blende von F1.4 finde ich klasse. Aber leider hat Nikon meines Erachtens mit dem „neuen“ 50er einen gewaltigen Rückschritt gemacht. Der Autofokus ist quälend langsam und trifft nicht wirklich bei hektischen Bewegungen. Ich spreche nicht nur von meinem 50er, ich hatte nämlich ein paar neue 50er G Modele zur Probe und keines war auch im Ansatz gut was den Autofokus betrifft. Meine Wenigkeit träumt noch von den Zeiten als ich mit dem alten 50mm/1.4D als Hochzeitsfotograf gerockt habe. Das „D“ Model hatte noch einen mechanischen Motor wodurch der Autofokus gefühlt doppelt so schell war. Leider ist mir mein liebes „D“ Model auf der indischen Hochzeit in Bangkok irgendwie abhanden gekommen. Das 50er benutze ich gleichermaßen für Hochzeitsreportage und natürliche Portraits. In beiden Bereichen trägt das Bokeh sehr zum Bildlook bei. Im Reportagebereich lasse ich die Linse mehr oder weniger in der Tasche, der superschlechte Autofokus kommt bei Bewegung im Bild leider nicht wirklich mit und produzier superviel Ausschuss. Echt schade Nikon. Ich glaube ich werde mir auch das hochgelobte 50mm/1.4 ART von Sigma mal anschauen müssen. Vielleicht entdecke ich mit ihm wieder meine Liebe zur 50mm Brenweite.

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Beispielbilder mit dem Nikkor 50mm/1.4: Hochzeitsfotograf-Equipment-11 Hochzeitsfotograf-Equipment-07

 

SIGMA 35mm/1.4

Mein absolutes Lieblingsobjektiv ist das 35mm von Sigma. Ich war noch nie so begeistert von einem Objektiv. Es ist technisch bisher jeder Linse mit der fotografiert habe überlegen. Der Fokus sitzt immer und ist pfeilschnell. Man kann die Linse sogar mit einer Blende von 1.4 problemlos nutzen, im gesamten Bildkreis befindet sich Schärfe und das auch in den Ecken!!! Was aber noch viel wichtiger ist als die technische Seite, ist einfach der Look. Die Mischung aus einem quasi Weitwinkel und einer Blende von 1.4 ist gigantisch. Die Bilder sehen immer sehr smooth aus und zeigen doch viel. Obwohl nur 15mm Unterschied, ist der Vergleich zum 50er Welten. Was mich allerdings am meisten erstaunt hat ist das gerade SIGMA, die Firma die eigentlich für die etwas „günstigeren, biederen und technisch nicht gerade TOP-of-the-line“-Objektive bekannt ist, so ein optisches Meisterwerk auf den Markt bringt. Das wäre ungefähr so als würde Hyundai mit einem I30 bei der DTM starten und gegen Mercedes, Audi und Porsche gewinnen. Vor allem kostet das Sigma35mm Art nur knapp 1000 Euro. Im Vergleich mit den Pendants zu Nikon und Canon fast schon ein Schnäppchen. Ich kann wirklich JEDEM (nicht nur Hochzeitsfotografen diese Linse an Herz legen). Mit dem 35er von Sigma fotografiere ich ungefähr 70% der Bilder auf einer Hochzeit und es ist kaum mehr wegzudenken wenn ich losziehe. Ich frage mich manchmal wie ich früher Hochzeiten fotografiert habe, ohne das 35mm von Sigma. Danke Sigma hoffentlich macht ihr weiter so, und hoffentlich bleiben eure Preise weiterhin so niedrig.

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Beispielbilder mit dem Sigma 35mm/1.4:

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OLYMOUS OMD EM5 &  M.ZUIKOs 12mm/2.0 & 17mm/1.8 & 12-50mm/3.5-6.3

Falls ich mal Pech haben sollte und irgendwann bei 400.000 Auslösungen der Verschluss versagt, springt meine kleine M5 ein. Ich muss ehrlich gestehen dass ich mit der M5 viel lieber fotografiere, sie ist kleiner, leichter und hat ein Display dass man kippen kann. Leider hat sie aber auch zwei entscheidende Nachteile weshalb ich sie bei meiner Arbeit als Hochzeitsfotograf nicht wirklich einsetze. Der Autofokus ist nicht wirklich 100% zuverlässig in schwierigen Lichtsituationen und schiesst ab und an daneben. Der grösste Nachteil dieser Kamera ist aber einfach ihr Look. Sie ist zu klein und zu schmächtig dass sie als professionell wahrgenommen wird. Leider.

Zu den M.Zuiko Objektiven kann ich nur berichten dass ich eigentlich nur die zwei Festbrennweiten nutze. Diese sind sehr gut, der Autofokus ist nice und der Bildlook auch. Zwar kommt das Bokeh aufgrund des kleinen Chips der M5 nicht ganz an die Erhabenheit eines Shots aus einer Vollformat DSLR heran, aber so riesig ist der Unterschied nicht mehr. Das Standardobjektiv hat auch seine Berechtigung aber aufgrund seiner abgrundtief hohen Blende leider nur im Studio unter kontrollierten Bedingungen. Hier verrichtet es gute Arbeit aber „ernsthaft“ auf einer Hochzeit damit fotografieren würde ich jetzt nicht. ich habe in den Slums von Bangalore mit dem 17mm/1.8 und dem 12mm/2.0 fotografiert. wenn ihr euch ein wenig den Look der Objektive anschauen wollte dann spickt mal auf meinen anderen Blog, in folgendem Artikel ONDRO the slumdog in bangalore findet ihr ein paar tolle Bilder.

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Beispielbilder mit den Reservetruppen. Es sind Fotos aus anderen Bereichen, da ich auf einer Hochzeit noch nie zur Olympus greifen musste. #NIKONunzerstörbar

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HENSEL PORTY 1200 & 12inch REFLEKTOR

Viele Hochzeitsfotografen haben ihren Aufsteckblitz dabei um ein wenig entgegenzublitzen. Ich mag keine Aufsteckblitze, ich besitze nicht mal einen. Erstens machen sie schreckliches Licht wenn sie on-camera betreiben werden, die Fotos sehen dann so aus als hätte sie der ambitionierte Hobbyfotograf Onkel Herbert gemacht. Und off-camera betrieben sind sie mir zu langsam und zu schwach. Der Abstrahlwinkel ist auch zu klein um Braut und Bräutigam in der benötigten Entfernung richtig zu beleuchten. Vor allem aber sind die kleinen Systemblitze viel zu schwach. Wenn ich sie für Portraits nutzen würde, dann hätte ich sei wahrscheinicih nonstop auf voller Leistung benutzen, was wiederum bedeuten würde dass sich die Ladezeit auf 4-5 Sekunden verlängert. So will ich einfach nicht arbeiten, gerade auf einer Hochzeit auf der Zeit ein sehr kostbares Gut ist. Deshalb habe ich immer meinen HENSEL PORTY 1200 mit Lithium Ionen Akku. Klein, leicht und mit 1200WS hat das Ding auch ordentlich Bumms, sodass ich locker auf 7 Meter gegen die pralle Mittagssonne bei Blende 22 blitzen kann, bei einer Ladezeit von 1,8 Sekunden. So macht fotografieren Spass und man vertrödelt auch keine wertvolle Zeit am Hochzeitstag mit irgendwelchen Problemchen die kleine Systemblitze so machen. Zuletzt muss auch die Verlässlichkeit vom Porty gelobt werden im Gegensatz zu diesem Jinbei-China-Müll den ich auch kurz als Testgerät hatte. Er hat genau zwei Shoots gehalten. Ich gehe nicht wirklich zimperlich mit meinem Equipment um und misshandle den armen PortyL1200 bei jedem Shoot. Hensel-Technikern fängt jedes mal das Herz an zu bluten wenn ich es zur Generalüberholung oder Reparatur schicke 😀 … Wenn man es versteht den Porty richtig zu nutzen kann man damit wirklich aussergewöhnliche Dinge machen. Dieser bestimmt Look (vorne hell, hinten abgeschattet, dramatischer Himmel) ist auch mein Signature Look von dem sich viele andere Hochzeitsfotografen inspiriert haben. Dank meines Engagements in der Musikindustrie haben sie meine Hochzeitsbilder ein wenig davon abgeschaut. Ich mag den Look weil er jedes Brautpaar richtig scheinen und glänzen lässt und bei Menschen denen man die Bilder präsentiert, für Begeisterung sorgt.

 

Hochzeitsfotograf-Equipment-Foto-Beispiel-Im-Feld

Marcus und Melanie und ihr Hochzeitsportrait Feld

Beispielbilder mit dem Hensel Porty 1200L:Hochzeitsfotograf-Equipment-04 Hochzeitsfotograf-Equipment-03 Hochzeitsfotograf-Equipment-01

FAZIT

Wenn ich mir manch andere Hochzeitsfotografenblogs so anschaue merke ich dass ich eigentlich ein krasser Purist bin. Die meisten nehmen eine Überlebensausrüstung für einen Himalayatrip mit, bzw. alles fotografische was so zuhause verfügbar ist … man könnte ja mal alles irgendwie gebrauchen und will gut vorbereitet sein. Sämtliche Folien, Filter, Adapter und sämtliches Gedöhns finden sich dann im Fotorucksack. Das ist absolut nicht mein Ding. Ich nehme das Nötigste mit und benutze mein verfügbares Equipment mit Bedacht und mehr Intensivität. Ich ertappe mich niemals dabei dass ich überlege welches Equipmenteil ich denn jetzt für diese oder jene Situation einsetzen könnte. Ich mache einfach und drücke den Auslöser. Ich habe gemerkt, dass wenn ich weniger Equipment ich dabei habe, der Output an Bildern viel größer ist. Vor allem aber gehe ich kreativer mit jedem einzelnen Objektiv um wenn ich derer nur 4 dabei habe. REDUCE2THEMAX, wie eine schlaue Werbekampagne von Pepsi schon einmal sagte.

10 Gedanken zu „Equipment-Checkliste für die schönsten Hochzeitsfotos

  1. Onkel Herbert

    Whats up Ondro?!?!?!

    Was hassn mit Deinem 14-24mm gemacht? Von der Linse warst Du doch früher mal derbe begeistert.

    Dein

    Onkel Herbert
    (ambitionierter Hobbyfotograf, höchstseriöser Rezensent und Ecken-Schärfeprüfer)

    Antworten
    1. ondro Artikelautor

      hey herbert 😀 hahaha … hm du hast recht ich habe echt lange nicht mehr mit dem 14-24 fotografiert. vielleicht sollte das einer meiner vorsätze für dieses jahr werden 😀 bei dem allerdings wirst du sehr viel unschärfe in den ecken finden hehe. cheers ondroooooo

      Antworten
  2. Pingback: Duppelmoker Fotografie | Lesestoff das nicht mehr ganz so neue „fotoPRO“

  3. Andreas Krüger Fotografie

    Eine schöne Checkliste, dein Fazit würde ich so auch unterschreiben! Es macht einfach keinen Sinn den ganzen Klimbim der zu hause im Schrank liegt in den Fotorucksack zu stopfen. Mir reichen in der Regel 2-3 Festbrennweiten.

    Gruß Andreas

    Antworten
  4. René

    Herzlichen Dank, für den ehrlichen Einblick in deine Fototasche und den wertvollen Tips zu deinen Objektiven. Ein klasse Beispiel dafür, daß es nicht mega „viel“ Equipment und Brennweiten Bedarf, um exzellente Hochzeitsreportagen zu fotografieren. Less is more !
    Hochachtungsvoll dein Kollege.

    Antworten

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